Nach Öffnung der Mauer - SvZ 1989/199010 Jahre neues Deutschland
Neu Beginnen: Die »Revolution des Volkes in der DDR« ist
gewiß ein Augenblick, in dem eine geschichtliche Bewegung beim aufmerksamen Beobachter eine Bewegtheit auslöst, in der das Erinnerungsvermögen selbst tätig wird. Nur so kommt Geschichte, als Emotion zunächst, überhaupt ins Bewußtsein. Das haben sich vermutlich auch diejenigen gedacht, die in den Hinterzimmern des SED-Zentralkomiteegebäudes jenen Coup vorbereiteten, mit dem sie »ihren« 9. November als geschichtliches Datum setzten.  Klassentheorie oder Wissenschaft?: Karl Marx und Friedrich Engels waren zwei muntere Burschen, die viel zusammen geschrieben und oft zusammen gebechert haben.  Ein Volk - eine Mark?: Als 17 Millionen Deutsche zum einen Volk und zur einen Mark drängten, gingen ihre Vorstellungen von
Vermögen nicht über das ihre, eigene hinaus - diese Vorstellungen erwiesen sich als trügerisch, weil die Wirtschaft der DDR als ihre wirkliche Erblast einen Widerspruch verhüllt hatte und dem vereinten Volk hinterließ: den zwischen privatem (Spar-)Vermögen und dem hoffnungslos zurückgebliebenen produktiven (Volks-)Vermögen. An der “Auflösung” diese Widerspruchs arbeiten heute die Deutschen, indem sie ein “Sondervermögen” abtragen, das in einer Staatsschuld von
heute rund 380 Milliarden DM besteht.  10 Punkte zu Helmut Kohl: Der Zehn-Punkte-Plan Helmut Kohls vom November 1989 sah die Bildung konföderativer Strukturen zwischen der Bundesrepublik und der DDR vor. Nur hier findet sich Helmut Kohls öffentlich bekundetes Bestreben und Wollen ein einziges Mal im Einklang mit einer geschichtlichen Bewegung, die Wahrheit und Freiheit zum Vorschein kommen ließ. Alle sonstigen (kleineren) Verdienste, dessen dieser zähe
und gelassene Sitzriese nach seinem noblen Abgang nunmehr gerühmt wird, sollten gegen das Prinzip gehalten werden, nach dem dieser Mann 25 Jahre die deutsche christliche Demokratie und 16 Jahre lang die deutschen öffentlichen Körperschaften geprägt hat. (30. September 1998)  Hans-Peter Nissen (Juni 1990): Politische Ökonomie der Währungsunion Nur die Gedanken sind frei... Noch ist die deutsch-deutsche Währungsunion nur ein hochinteressantes Thema für Ökonomen und Politiker - doch bald schon wird sie eine politische sowie ökonomische Realität darstellen mit hochbrisanten Konsequenzen. Diese beziehen sich fast
ausschließlich auf die beteiligten Volkswirtschaften der BRD und DDR und auf die Entwicklung der knrrespondierenden politischen Strukturen.  
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